| Nach oben
|
|
GPS, ein interessantes Navigations- und Vermessungssystem.
GPS ist das Akronym für Global Positioning System. Damit ist ein
System zur weltweiten Bestimmung des Standortes eines Anwenders mit Hilfe eines
GPS-Empfängers und insgesamt 24 Satelliten gemeint. Das Prinzip ist, dass durch genaue
Bestimmung der Entfernungen vom Empfänger zu 4 dieser Satelliten der Standort des
Empfängers berechnet werden kann. Dieser Standort wird dann vom Empfänger als Längen-
und Breitengrad angezeigt.
Seit 1993 besitze ich einen solchen Empfänger (Garmin GPS75) und habe
inzwischen schon sehr viel Freude damit gehabt. Was mich besonders zu interessieren
begann, war die Frage nach der Genauigkeit der Ortsangabe. Zur Untersuchung dieser Frage
ist dieser Empfänger insofern gut geeignet, als er seine Messresultate - die in jeder
Sekunde neu ermittelt werden - über einen längeren Zeitraum speichern kann. Die Daten
kann man anschließend in den PC überspielen und dort auswerten. Es zeigt sich dabei,
dass die Werte einer solchen Reihe auch dann schwanken, wenn sich der Empfänger während
der ganzen Messzeit an derselben Stelle befand. Stellt man dann die Ergebnisse als Punkte
auf dem entsprechenden Flächenstück dar, entsteht eine Punktwolke deren Schwerpunkt als
angenäherter Messort aufgefasst werden kann.
Die nächste Frage war nun: Wo fand die Messung wirklich statt ? Dazu
wandte ich mich an das Landesvermessungsamt in Stuttgart. Man benannte mir einen hochgenau
vermessenen Punkt bei Schutterwald mitsamt seinen Koordinaten. Ich begab mich nun mehrfach
zu diesem Punkt und gewann dort mit dem Empfänger einige Messreihen. Das Ergebnis
überraschte mich dann aber ziemlich : Es zeigte sich nämlich, dass alle Mittelwerte ca.
130 m immer in der gleichen Richtung (Südwest) von den Koordinaten des Messortes
abwichen. Das war doch zu signifikant um einfach als Auswirkung des Messfehlers
aufgefasst
zu werden, also ein systematischer Fehler! Was war aber los ?
Es stellte sich heraus, dass die Koordinaten des Mess-Empfängers - die
zwar ganz vertraut klangen - nämlich "östliche Länge" und "nördliche
Breite" - im sog. WGS84 - Datum vorliegen, dass Angaben von Längen- und
Breitengraden auf deutschen Karten aber auf das sog. Potsdam-Datum bezogen sind. Seitdem
weiß ich jetzt, dass Längen- und Breitengradangaben nicht eindeutig sind, sondern vom
sog. Kartendatum abhängen.
Ebenfalls vom Landesvermessungsamt habe ich nun auch die Koordinaten des
Schutterwalder Messpunktes im WGS84-Datum erfragt, und siehe da, so ist die Ablage der
gemessenen Punkte vom den Koordinaten des Messortes deutlich geringer und beträgt nur
noch etwa 6 Meter.
Natürlich bemühte ich mich gleich
darum, diesen sog. Datums-Shift auf rechnerischem Weg zu bewerkstelligen. Dies alles
funktioniert inzwischen, machte mir aber doch große Mühe. Langeweile konnte erst gar
nicht aufkommen.
Was kann man nun mit der so gewonnenen Information - Längen- und
Breitengrad des Standortes - anfangen ? Als Zahlenpaar ist er etwa so unterhaltsam wie
irgend eine Seite im Telefonbuch oder so. Worauf es ankam war, den Standort auf einer
Karte anzuzeigen. Diese Aufgabe nahm ich mir vor und sie beschäftigte mich wahrlich sehr
lange.
Nächste Bemühungen werden auf die Verwendung der Differenzial-GPS-Methode
gerichtet sein, mit der eine Erhöhung der Genauigkeit bis auf besser
als 5 m möglich sein soll. Im Herbst 1996 sollen entsprechende
Langwellen-Empfänger dafür zu kaufen sein. Das Prinzip funktioniert so,
dass an einem genau vermessenen Punkt in Deutschland ein Satellitenempfänger
steht, der seine Position aus den GPS-Satelliten bestimmt, mit der bekannten
Position vergleicht und die Abweichungen zur Erzeugung von Korrekturwerten
verwendet. Die Korrekturen sendet er dann auf Langwelle an entsprechend
ausgerüstete GPS-Empfänger. Diese nutzen die empfangenen Korrekturwerte
zur Erhöhung der Genauigkeit ihrer Positionsberechnungen. Meinen ersten
Erfahrungsbericht finden Sie hier.
Zurück
Letzte Aktualisierung : 08.01.2002

|