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Weitere Erkundungen zum Thema Photogrammetrie.

Kann es sein, dass Photogrammetrie mit der folgenden Aufgabenstellung erst richtig losgeht?

Wie man lesen kann, ist es nämlich mit den Mitteln der Photogrammetrie auch möglich, aus mehreren Fotos des gleichen Objekts Informationen über seine räumliche Gestalt und die Abmessungen zu berechnen. Das sind für mich bislang Fragestellungen gewesen, die ich mit einem Tachymeter angegangen bin. Sollte das alles tatsächlich auch aus verschiedenen Fotos erschlossen werden können? Was musste da bekannt sein - ich dachte etwa an die jeweiligen Kamerapositionen beim Fotografieren oder die Brennweite und die Verzeichnungseigenschaften des Objektivs - ehe man mit Aussicht auf Erfolg ans Werk gehen konnte? Eines wurde mir aber schon nach kurzem Nachdenken klar: Leider liegt auch dieses Thema wieder einmal weit über meinem mathematischen Horizont. Es will mir scheinen dass es mir schon am erforderlichen räumlichen Vorstellungsvermögen fehlen könnte!

Da war es wohl angezeigt, sich eines käuflichen Programms zu bedienen. Es sollte mir einfach zunächst einmal zeigen, was überhaupt in dieser Richtung machbar ist.

Immerhin fand ich bei meinen kleinen Recherchen einige Programme, die das alles können sollten. Über das Internet waren teilweise auch Demoversionen zu bekommen. Jetzt spürte ich eine gefährliche Begehrlichkeit aufkeimen - und beinahe hätte ich meine neue Tätigkeit vielleicht mit einem Fehlkauf begonnen. Als ich nämlich in einer der zugehörigen PDF-Anleitungen las, fiel mir auf, dass man da von der Berechnung des Schnittpunktes windschiefer Geraden faselte. Da leuchteten, ganz abgesehen vom Preis, alle Kontrolllampen auf - und die Suche ging weiter.

Und siehe da, ich hatte das erforderliche Quäntchen Glück und traf auf ein Programm, das mich in jeder Hinsicht begeistert. Es kommt aus Kanada und heißt: "PhotoModeler® Pro 5" von EOS Systems Inc. Ich kann sagen, dass ich höchst selten auf ein derart ausgefeiltes und praktisch fehlerfreies Stück Software getroffen bin. Auch das Handbuch lässt nach meinem Urteil keine Wünsche offen. - Inzwischen, nach etwas längerem und intensiverem Probieren, muss ich doch einen kleinen Vorbehalt nennen: Der Genauigkeitsverbesserung durch Einführen von Kontrollpunkten (Vorgabe von Punkten mit anderweitig genau gemessenen Koordinaten, die bei einer neuen Berechnung die Genauigkeit der Ergebnisse noch steigern sollten) gelingt mir noch nicht. Ich bin mir allerdings nicht wirklich sicher, ob ich selbst die Fehler mache oder ob vielleicht doch das Programm an dieser Stelle noch nicht richtig funktioniert. Bei dem hervorragenden Gesamteindruck, den mir die Software nach wie vor macht, bin ich aber guter Hoffnung, dass sich das bald "in Wohlgefallen auflösen" wird.

Was mich besonders wunderte war, dass man beim Fotografieren keineswegs die Kameraposition kennen und notieren muss. Man geht einfach ums Objekt herum und fotografiert drauflos! Die Eigenschaften der Kameraoptik ermittelt man zuvor mittels einiger Aufnahmen eines Kalibrierblattes, aus denen das Programm dann alle Daten der "inneren Orientierung" berechnet.

Jetzt begann ein wochenlanges Abtauchen in die Verlockungen photogrammetrischer Experimente. Ich machte zunächst von unserem Haus unzählige Aufnahmen aus allen Richtungen - Übersichts- wie Detailaufnahmen. Es brachte schier die Festplatte zum Überlaufen, was ich da alles "in die Scheuer fuhr". Damit unsere Nachbarn nicht übermäßig an meinem Geisteszustand zweifeln mögen, wenn sie mich auf Leitern oder am Boden kriechend beim Fotografieren beobachteten, versuchte ich ihnen den Grund für meine Begeisterung zu erläutern. Ob sie mich jetzt wieder für "normal" halten, weiß ich allerdings nicht sicher.

Vielleicht, so denke ich mir, gibt es ja andere Mitmenschen, die auch nicht "vom Fach" sind aber mal "hineinschnuppern" wollen. Deshalb habe ich ein kleines Filmchen (Macromedia Flash Video) fabriziert, das an einem Minimalbeispiel mit nur 2 Aufnahmen einige Fähigkeiten des Programms aufzeigt. Vielleicht erklärt es besser als viele Worte, wie die Sache abläuft.

Bald wurden immer mehr Fotos in das Projekt einbezogen, und am Schluss (wer weiß ob es nicht doch noch weiter geht!) waren es immerhin 141 Fotos mit insgesamt 924 Punkten, die das Projekt jetzt umfasst. Man sieht also: Fürwahr, eine Fleißarbeit!

Das folgende Filmchen zeigt in 3D die eindrucksvolle Punktwolke aus den 924 Punkten. Besonders beim Drehen lassen die vielen Einzelpunkte schon schemenhaft die Gestalt des Hauses sichtbar werden.

In diesem Filmchen sind Linien eingezeichnet, die neben den Punkten auch die Verläufe wichtiger Kanten zeigen und so die "Figur" des Hauses besser hervortreten lassen.

Im nächsten Flash Video sind (schattierte) Flächen eingeführt, die störende Punkte und Linien hinten liegender Gebäudeteile verdecken.

Das Programm lässt es auch zu, die einzelnen Flächen am Haus mit den passenden Teilen aus den Fotos zu "bekleben". So werden auch Teile sichtbar, die nicht über einzelne Messpunkten erfasst wurden. Hier fasziniert mich besonders, wie beim Drehen in Windeseile die erforderlichen perspektivischen Korrekturen der bebilderten Flächen berechnet und "in Echtzeit" dargestellt werden. Da staunt der kleine Mann! Schauen Sie sich das "Gesamtkunstwerk" einfach in diesem Filmstück noch an. Vielleicht läuft das bei Ihnen ja etwas schneller als bei mir!

Zur Entstehung der Filmsequenzen: Die Szenen wurden mit Hilfe des Programms "Camtasia Studio™ " von TechSmith® beim Ablauf des PhotoModeler-Programms unmittelbar "vom Bildschirm abgefilmt". Mir hat auch dieses Stück "Arbeit" Freude gemacht.

Wie schön wäre es doch, wenn ich wenigstens ansatzweise die rechnerischen Grundlagen verstehen lernte!

Diese Seite wurde erstellt am : 5.08.2003

Letzte Aktualisierung : 16.08.2003