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Formation des Trios NOSS 2-1

Iridium-Flare

Das Vorgehen bei der Satellitenjagd an einem Beispiel.

Ob sich der Aufwand zur Identifizierung beobachteter Satelliten lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Immerhin kann man typischerweise in einer Nacht mit der Pole-Star-Cam auf Teneriffa mit etwa 25 Satelliten rechnen. So waren es bei mir in der Nacht vom 2. auf den 3. Juli 29 Satelliten, von denen ich immerhin 26 identifizieren konnte. Mit der anderen Webcam (Teide-Stars-Cam) waren es bislang pro Nacht doch deutlich weniger. Ich habe mich noch nicht darum gekümmert, warum das so sein könnte.

Ein Beispiel aus der Nacht vom 2. auf den 3. Juli:


Das Screenshotfoto "PoSt02143.jpg" zeigt an der durch den Pfeil markierten Stelle einen hellen Punkt. Im Vergleich einiger Bilder vorher und nachher hatte ich gesehen, dass dieser Lichtpunkt vor dem Hintergrund der Fixsterne von unten nach oben wandert. So konnte mit einiger Berechtigung angenommen werden, dass es sich tatsächlich um einen Satelliten handelt.

Dieses Foto hole ich mittels der neu (Anfang Juli, nach erneuter Ausrichtung der Pole-Star-Cam) kalibrierten HTML-Seite auf den Bildschirm und bewege den Mauszeiger auf diesen Lichtpunkt.

Jetzt kann ich oben rechts ablesen, dass dem Punkt ein Azimutwert von 13.5° (rechts neben der Nordrichtung) und eine Elevation von 41.5° (über dem Horizont) entspricht:

Mit diesen beiden Zahlen und den vom Foto ablesbaren Datums- und Zeitwerten erstellt man folgende kleine Textdatei mit der Bezeichnung "findsat.ctl" und speichert sie im Verzeichnis des Programms "findsat.exe" ab:

28.301389 16.51056 7874 catalog_3l_2008_07_3_pm.tle
T range is in miles
2008 7 2 21 32 40 AA 41.5 13.5 2000
2 2
findsat.tle

Dabei bedeuten die Zahlen der ersten Zeile: 28.301389° Nord und 16.51056° West die Geografischen Koordinaten der Webcamposition, 7874 (engl. Fuß) die Höhe über dem Meeresspiegel. Dahinter die Originaldateibezeichnung der für den Beobachtungstag aus dem Internet heruntergeladenen Orbitdatei (enthielt an diesem Tag die Bahndaten von 11606 verschiedenen Satelliten!). Die Nennung dieses Dateinamens ist nicht zwingend erforderlich.

Der Text der zweiten Zeile kann auch anders lauten, aber es muss diese Zeile geben.

Die dritte Zeile gibt das Beobachtungsdatum (Jahr, Monat, Tag), die Beobachtungszeit (Stunde, Minute, Sekunde). Es wird die Zeit als UTC-Zeit erwartet. Im Juli 2008 wird aber die Sommerzeit auf Teneriffa angezeigt und man muss deshalb als UTC-Zeit eine Stunde von diesem angezeigten Wert abziehen.

Nach den Zeitinformationen folgt in der dritten Zeile der Bezeichner "AA". Dieser Kode signalisiert, dass die folgenden beiden Werte nicht Rektaszension und Deklination bedeuten sondern Elevation (41.5°) und Azimut (13.5°). Es schließt sich noch die Zahl 2000 ("Epoche") an, die man aber immer gleich lassen kann.

In der vierten Zeile bedeutet die erste 2, dass man mit einer zeitlichen Unsicherheit (angegeben waren in Zeile zwei 40 Sekunden) von 2 Sekunden rechnet. Die zweite 2 besagt, dass die Unsicherheit der Positionsangabe (Elevation 41.5° und Azimut 13.5°) 2° beträgt, dass die gesuchte Position von dieser Angabe also um bis zu 2 Grad abweichen kann.

In der 5. Zeile steht der Name der Kopie des oben genannten Bahndatenfiles (catalog_3l_2008_07_3_pm.tle). Es ist leider nicht möglich mit dieser Datei im Original direkt zu arbeiten, man muss eine Kopie davon unter der Bezeichnung "findsat.tle" im gleichen Verzeichnis wie "findsat.exe" bereithalten.

Wenn danach findsat.exe aufgerufen wird - zur Erinnerung: Im gleichen Verzeichnis müssen also die Dateien "findsat.ctl" und "findsat.tle" vorhanden sein - dann wird eine Datei mit Namen "findsat.res" in das Verzeichnis geschrieben. Sie hatte in diesem Fall den Inhalt:

NCat TmEr PosEr R A Dec Range
27392 0 .3 17 36.1 72.96 424 GRACE 2 02012B

Das bedeutet: Der helle Lichtpunkt stammt demnach von einem Satelliten mit Namen GRACE 2 und der NCAT-Nummer 27392. Der Zeitfehler betrug 0 Sekunden und die Positionsangabe war auf 0.3 Grad genau. Die Koordinaten im Äquatorsystem waren: Rektaszension 17h 36.1 min und Deklination +72.96°. Die Distanz vom Satelliten zur Kamera betrug 424 Meilen, also 682 km.

Es kann nun aber vorkommen, dass trotz der vielen Bahndaten in der Datei "findsat.tle" manche Satelliten doch nicht identifiziert werden können. Dann hilft manchmal eine weitere Kollektion von Bahndaten, die man in der Datei "classfd.tle" bereithält. Diese Bahndaten werden anscheinend von Amateurbeobachtern ermittelt, denn es handelt sich bei diesen Himmelsobjekten um Satelliten, die "in geheimer Mission" unterwegs sind.

Falls man sich die Datei "classfd.tle" in möglichst aktueller Version aus dem Netz heruntergeladen hat und sie mit ins Verzeichnis von "findsat.exe" kopiert hat, kann man noch in einer 6. Zeile auch diese Bahndatei nennen, Es kann also die Datei "findsat.ctl" in einem anderen Fall so aussehen:

28.301389 16.51056 7874 catalog_3l_2008_07_3_pm.tle
T range is in miles
2008 7 2 23 20 1 AA 46.5 16.1 2000
2 2
findsat.tle
classfd.tle

und damit können derzeit weitere 223 "Spionagesatelliten" in die Suche einbezogen werden.

Der mit Hilfe von "classfd.tle" gefundene Satellit war hier übrigens eine Raketenstufe mit Namen "NOSS 0 Rk":

NCat TmEr PosEr R A Dec Range
5679 -1 .1 18 59.2 67.67 770 NOSS 0 Rk 71110B

Das Protokoll vom 2.7.2008 mit allen festgestellten Satelliten habe ich in dieser Datei abgelegt. Wie man sieht, bleiben nur drei Satelliten unidentifiziert.

Diese Seite wurde erstellt am 4.7.2008, letzte Aktualisierung: 12.7.2008