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Meine ersten Erfahrungen mit dem neuen DGPS-Korrektur-Empfänger:

Seit Anfang Juni 1997 habe ich ihn endlich, den Langwellen - Korrekturdatenempfänger WFE 96-DGPS-01. Der Preis war fast so hoch wie der des eigentlichen GPS-Empfängers (Rockwell, Jupiter Development System). Dieser hohe Preis liegt zum Teil daran, dass man mit dem Empfänger gleichzeitig eine Lizenz für die Nutzung der Korrekturdaten erwerben muss. - Nun, sei es wie es wolle, mich interessierte natürlich vor allem: Welche Verbesserung ist zu erzielen ?

Zunächst stellte ich mich deswegen an einem Punkt auf, von wo ich möglichst freie "Sicht zum Himmel" habe. Ich wählte einen Punkt auf dem Rheindamm bei Freistett (Rheinkilometer 309,7). Die Koordinaten des Punktes hatte ich vom Vermessungsamt in Offenburg erfragt und als Gauß-Krüger Werte erhalten: Rechtswert = 3420855,39 m und Hochwert = 5394900,64 m. Diese Werte habe ich in WGS84 Längen- und Breitengrade umgerechnet. Nach meinen Rechnungen entspricht dies : 48,68666 ° nördliche Breite und 7,92408 ° östliche Länge (im WGS84 System). An besagtem Ort stellte ich also meine GPS-Antenne auf und sammelte über 20 Minuten die von meinem GPS-Empfänger berechneten Koordinaten des Standortes. Diese Daten wurden also nicht durch DGPS-Korrekturen berichtigt. Im folgenden Bild

 

sind die Situation und die Messwerte festgehalten: Obwohl der Empfänger und die Antenne feststehen, liefert das System stark schwankende Angaben des Empfängerstandortes. Dies ist eine beabsichtigte, vom amerikanischen Verteidigungsministerium veranlasste Ungenauigkeit, SA genannt (Selective Availability), und sie beeinträchtigt die Messung so, dass eine Standortbestimmung nur innerhalb eines Unsicherheitskreises von ca. 100 m Durchmesser möglich ist (soll heißen: Etwa 95 % der gemessenen Standortwerte liegen innerhalb eines Kreises von 50 m Radius um den Mittelwert als wahrscheinlichstem Standort).

Inzwischen (seit dem 2. Mai 2000) ist die SA-Zeit vorüber !

 Jetzt war ich natürlich gespannt, ob die Einschaltung des neuen DGPS-Empfängers bessere, also genauere Positionsbestimmungen möglich machen würde. Ich schaltete also (am nächsten Tag) eine Stunde lang den Korrekturwert-Empfänger meinem GPS-Empfänger zu. In Intervallen von 30 Sekunden wurden jetzt die neuen Positionswerte registriert. Das Ergebnis können Sie

 

 (bitte beachten Sie den Vergleich mit obigem Bild und beachten Sie die unterschiedlichen Maßstäbe) .

Natürlich wird man noch einigen Messaufwand treiben müssen, um aussagekräftigere Befunde zu erheben, aber: Es zeichet sich - unter Verwendung von DGPS-Korrekturen - immerhin ab, dass der Unsicherheitsbereich (Durchmesser des "95 % Kreises") auf nur etwa 10 m geschrumpft ist. Grob gesagt: Die Einschaltung des DGPS-Empfängers bringt demgemäß eine Verbesserung um etwa den Faktor 10 ! Bitte beachten Sie: Die Fläche des Unsicherheitskreises beträgt jetzt nur ca. 1/100 der Fläche des Kreises ohne DGPS-Korrektur !

 Weniger schön ist sicher, dass die Anbringung der Ferritantenne für den Langwellen-Empfang auf dem Autodach die Antenne derart verstimmt, dass der Empfang nicht funktioniert. Die eigentlich erhoffte Verbesserung beim Fahren und der Darstellung des fahrenden Autos auf der mitbewegten Karte ("moving map") am Laptop-Bildschirm ist also vorerst nicht möglich - denn man findet ja heutzutage kaum noch Mitfahrer, die bereit wären, die Antenne während der Fahrt ca. 20 cm über das Autodach zu halten - nur so funktioniert es dann nämlich. Ich bin gespannt, ob es in absehbarer Zeit auch eine Lösung für dieses Problem geben wird. Inzwischen werde ich weiter messen und dann auch berichten.

  Neuerdings habe ich eine "Zwischenlösung" dergestalt gefunden, dass ich die Ferrit-Langwellen-Antenne an eine Holzlatte gebunden habe und aus dem hinteren Fenster herausragen lasse. So "schwebt" sie also ca. 15 cm über der Karosserie und der Empfang klappt.

 Hier kurz meine solchermaßen gewonnenen Erfahrungen: Bei der Darstellung der Fahrt auf einer digitalisierten topografischen Karte (Maßstab 1 : 25000) sahen bisher meine Fahrten ohne DGPS-Korrekturen auf diesen Karten stark nach "Trunkenheitsfahrten" aus. Wegen der oben genannten SA, fuhr man eben nur gelegentlich auf der eingezeichneten Straße und oft eben scheinbar, zum Teil grotesk, links oder rechts daneben. Es sah manchmal so aus, als ob man durch angrenzende Hindernisse wie Häuser, Wald oder Seen hindurchführe. Diese störenden Effekte fallen auf Karten des Maßstabes 1 : 200000 nicht mehr sehr auf, weil in diesen Karten die Straßen wesentlich breiter gezeichnet erscheinen als sie tatsächlich sind. So ist man dann praktisch doch "immer auf der Straße". Bei 1 : 25000 ist aber wie gesagt die Messungenauigkeit bei der Darstellung auf dem Bildschirm ziemlich irritierend.

 Mit großer Freude stellte ich nun gestern bei Fahrten kreuz und quer durch unseren Wohnort fest, dass sich das Bild meines Autos bei eingeschalteter DGPS-Korrektur praktisch immer auf den eingezeichneten Straßen bewegte, jetzt also auch beim Maßstab 1 : 25000. Dies war so beeindruckend, dass ich wahrscheinlich große Verwunderung und Heiterkeit erregte, als ich mit verklärtem Blick und mit der Antenne an der Latte aus dem Fenster ragend herumfuhr. Jetzt spinnt er halt vollends - wird man sich zugerufen haben !

Letzte Aktualisierung : 29.05.2002

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