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Anregungen zur selbständigen Beobachtung von Stimmen unserer heimischen Vogelwelt

- oder

wider die Untugend des Sich-Langweilens.

Mit wenigen Hilfsmitteln ist es möglich - zumal auch in unserer engeren Heimat - sich Kenntnisse bei der Beobachtung heimischer Vögel zu erwerben. Manche Mitmenschen wundern sich dann bisweilen und beeilen sich zu versichern, dass sie sich selbst so etwas niemals zutrauen würden.

Nun, der nächste Frühling kommt gewiss und mit ihm - so wollen wir doch hoffen - auch die ganze liebe Vogelschar und es wäre doch schade, wenn wir die noch bestehende Artenvielfalt erst zur Kenntnis nehmen wollten, wenn sie vielleicht schon im Begriff wäre unterzugehen. Ich selbst habe solches leider schon miterlebt. Ich kann mich nämlich noch gut erinnern, dass bei uns in der Oberrhein-Ebene der Drosselrohrsänger ein durchaus nicht sehr seltener Brutvogel war. Das hat sich leider radikal geändert. Auch der große Brachvogel kam häufig vor bei uns - jetzt ist er eine Seltenheit geworden. Und wo sind die früher so häufigen Gartenrotschwänze geblieben ? Nicht dass es sie gar nicht mehr gäbe, aber viel seltener sind sie doch geworden !

Was braucht man also - wenn man sich entschlossen hat, unseren lieben Piepmätzen nachzuspüren ? Ein Fernglas, ein Bestimmungsbuch - etwa den "Peterson - Die Vögel Europas, Paul Parey Verlag - und, besonders wichtig: einen Kassetten-Recorder mit Mikrofon und Lautsprecher. Dann kann der Frühling kommen und Sie werden sich wundern, was Sie jetzt alles erleben werden.

Wie Sie nun zu Ihren "Kenntnissen" kommen ? Ganz einfach : Setzen Sie sich mit dem Kassettenrecorder irgendwo in den Wald und warten Sie auf den Gesang eines Vogels. Wenn er schön laut singt geht es natürlich besonders gut. Jetzt nehmen Sie diesen Gesang einige Minuten auf und dann spielen sie ihn einfach möglichst laut wieder ab. Jetzt beginnt in aller Regel eine recht überraschende Vorstellung. Einer der Vögel aus der Umgebung kommt nah und näher, er lauscht offensichtlich seinem eigenen Gesang. Er erkennt natürlich nicht, das es sich um eine Aufnahme seiner eigenen Sangesdarbietung handelt, sondern sucht nach dem vermeintlichen Nebenbuhler, der da in sein Revier eingedrungen ist. Dabei gerät er dermaßen in "gerechten" Zorn, dass er alle Vorsicht vergisst und sich erstaunlich nahe an den menschlichen Beobachter heran traut. Jetzt können Sie den Vogel, meist sogar ohne das Fernglas, in aller Ruhe beobachten und sich sein Aussehen, sein Verhalten und den Gesang einprägen. Im Bestimmungsbuch werden Sie ihn sicher finden. Natürlich wird Ihnen auffallen, dass der Sänger besonders laut wird, er will offenbar den vermeintlichen Eindringling förmlich in Grund und Boden "niedersingen". Sie können den Recorder jetzt nutzen, um aus der Nähe neue, viel bessere Aufnahmen zu erhalten. Es empfiehlt sich auch, den Recorder beim Abspielen einige Meter von sich abzulegen. Dann kann man manchmal sehen, wie der Vogel auf der Suche nach seinem Gegner förmlich in das Gerät hinein kriecht - Zaunkönige etwa tun das besonders gern.

Möglicherweise können Sie sich noch gar nicht vorstellen, welches Interesse binnen kurzem bei diesen Beobachtungen bei einem entstehen kann. Probieren Sie es einfach - und Sie werden ja sehen. Natürlich hat man bald eine stattliche Anzahl von Vogelstimmen-Aufnahmen. Man wird über kurz oder lang unweigerlich zum kleinen "Experten" und die Erfolgserlebnisse treiben einen den ganzen Frühling hinaus und das soll ja - so hört man - auch noch gesund sein.

Sie werden dann auch seltenere Beobachtungen machen. Vielleicht erleben Sie wie ich, dass das Weibchen des Kuckucks einen eigenen Gesang, ganz anders als den uns wohlbekannten des Männchens besitzt. Es ist interessant, dass bei diesem Vogel das Weibchen auf diesen etwas gackernden Ruf vom Tonbandgerät mit dem sonst für Vogelmännchen typischen Revierverhalten reagiert. Bei meinen Beobachtungen flog es immer wieder neu über mich hinweg und produzierte dabei auf der Suche nach der vermeintlichen Konkurrentin seinen eigenen Ruf immer wieder. So entstanden dann mit dem Kassettenrekorder immer bessere Aufnahmen dieses "weiblichen Reviergesangs". 

Über solche Beobachtungen werden Sie dann sicher mehr nachlesen wollen - und so ergeben sich aus einem Befund schon bald weitere Fragestellungen - und Sie werden möglicherweise gar nicht genug Zeit haben, all diesen Anregungen auch nachgehen zu können - das geht mir wenigstens immer so.

Haben Sie schon mal eine Nachtigall aus nächster Nähe singen "gesehen" ? Können Sie das Rotkehlchen an seinem Gesang erkennen ? Kennen Sie Goldammern, Singdrosseln, Buch- und Grünfinken ? Stare auch, diese großen Stimmimitatoren? In dieser Disziplin gibt es aber deutlich überlegene Konkurrenz : Der Sumpfrohrsänger leistet Unglaubliches. Er bringt sogar Gesänge von seinem afrikanischen Winterquartier mit. Sie werden das daran erkennen, dass auf einmal ein Ihnen völlig unbekannter Gesang ertönt. Das wird natürlich erst dann so sein können, wenn Sie die Gesänge aller einheimischen Vogelarten schon zu erkennen gelernt haben.

Einer der Namen des Sumpfrohrsängers ist übrigens sehr bezeichnend für seine oben genannten Fähigkeiten der Stimmimitation: Carricero políglota, also der "vielsprachige" carricero, so nennt man ihn nämlich in Spanien !

Inzwischen ist auch im Netz an verschiedenen Stellen über den Sumpfrohrsänger zu lesen und Kostproben seines Gesangs finden sich da gelegentlich auch.

Falls Sie bei all diesen Erlebnissen keine Freude haben sollten, schreiben Sie es mir, damit ich Sie bedauern kann !

Übrigens : Heute, am 6.6.2001 um 8:50 Uhr MESZ (Sommerzeit), hatten wir das überraschende und seltene Erlebnis, dass ein Sumpfrohrsänger im Sanddornbusch unmittelbar vor unserem Fenster ein wahres Feuerwerk seiner Sanges- und Imitationskunst darbot. Es waren aber hauptsächlich mir unbekannte Vogelstimmen, die er vortrug. Alles war sehr abwechslungsreich und oft wiederholte er kurze Passagen unmittelbar nacheinander, ähnlich wie man es von der Singdrossel kennt. Amüsant war, dass er bei einem kurz eingeschalteten Haussperlingsimitat sofort einen der hier ansässigen Spatzen veranlasste, herbeizufliegen und nachzusehen. Unter "Protest" nahm dieser offensichtlich ärgerlich Anstoß am wahrscheinlich unbefangenen Vortrag des Durchzüglers. Ich muss schnell mal nachsehen, ob die Sumpfrohrsänger tatsächlich erst um diese Jahreszeit wieder bei uns durchziehen oder eintreffen. Inzwischen - nach insgesamt etwa 140 Minuten Futtersuche und Gesang in unserem buschreichen Garten  - ist er leider wieder weitergezogen. Der Vollständigkeit halber noch die geographischen. Koordinaten: 48,6743° nördliche Breite und 7,9430° östliche Länge.

Während der einzigartigen Stunden hatte ich leider kein sonderlich taugliches Tonaufnahmewerkzeug zur Hand. Immerhin machte ich mit meinem alten Radiorekorder einige Aufnahmen, die aber trotzdem auch einige Stimmimitate erkennen lassen. Leider ließ sich allerdings während der Aufnahmezeit ein Grünfink nicht dazu bewegen, seinen Schnabel zu halten. Der echte Grünfink mit seinem immer wiederkehrenden "Srieeeh" ist aber wenigstens im Hintergrund wesentlich leiser als der Sumpfrohrsänger bei seiner Grünfinkimitation.

Einige Tonsequenzen aus dem Kassettenmitschnitt stelle ich hier bereit : 

1. Kurze Sequenz ohne für mich erkennbare Imitate

2. Sequenz mit Imitaten von Rauchschwalbe (sehr kurz), Haussperling und Grünfink

3. Abschnitt mit Imitaten von Stieglitz, Blaumeise und Singdrossel

4. Abschnitt mit Imitaten von Blaumeise und Grünfink

5. Abschnitt mit längerer Rauchschwalbenimitation

Hier noch eine kurze Stimmprobe einer Mönchsgrasmücke aus unserem Garten.

Hier zwei MP3-Dateien mit Stimmproben der Rohrammer (laut Duden auch "des Rohrammers") : Rohrammer1 und Rohrammer2 (Die Dateigrößen sind geringer als bei den ursprünglichen WAV-Dateien).

Es folgen vier MP3-Dateien mit Gesang des Teichrohrsängers : Teichrohrsänger1, Teichrohrsänger2, Teichrohrsänger3  und  Teichrohrsänger4 

Ach ja: Da sind dann auch noch unsere Bienenfresser! Diesmal nicht akustisch - aber als Foto vom 8.7.2003:

Sind sie nicht eine Pracht?

Die Vermutung hegte ich ja schon lange - jetzt (2.12.2003) habe ich es aber endlich beobachtet!

Immer wenn ich wieder eine Rabenkrähe im Herbst mit einer Nuss im Schnabel vorbeifliegen sah, stellte ich mir nämlich die Frage, wie sie es wohl anfinge, die Nuss auch zu knacken.

Ich erinnerte mich dabei an den Bartgeier, den man in Spanien "Quebrantahuesos", also "Knochenzerschmetterer" nennt, weil er - gesehen habe ich es freilich noch nicht - sich das Mark großer Knochen dadurch zugänglich macht, dass er sie aus größerer Höhe auf steinigen Boden fallen lässt. Dabei soll dann der Knochen aufbrechen und sein Mark so zugänglich werden.

Heute habe ich also gesehen, wie eine Rabenkrähe immer wieder mit dieser Prozedur eine Nuss zu knacken versuchte. Sie flog allerdings jeweils nur etwa 5 m in die Höhe und ließ die Nuss dann fallen. Der Aufprall war durch Dachpappe eines flachen Daches sicher nicht sehr wirksam, aber immerhin wirkte die "Zielgerichtetheit" ihrer Aktionen beeindruckend. Ob es ihr auch gelang, die Nuss zumindest anzuknacken, blieb freilich offen weil schließlich eine zweite Krähe auftauchte und die erste mit ihrer Nuss zum Wegfliegen veranlasste.

 

Die letzte Aktualisierung erfolgte am 20.08.2011